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Ausstellung > 2006
Suzanne Brecht "Plastische Fantasien"
Aussstellung vom 29.4. - 26.5.2006. Einführung in die Arbeiten durch den Vorsitzenden des Kunstvereins.
Suzanne Brecht ist eine Fanatikerin des Materials, alter Materialien besonders, die die Patina ver-gangener Zeiten tragen und im Besitz verborgener Geschichten sind. Ausgangspunkt sind Zeichnung und Radierung. Manche von Suzanne Brechts Objekten wirken wie Beobachtungsinstrumente, Gegenstand der Betrachtung sind aber wohl nicht Gestirne oder Mikroorganismen, sondern innere Welten. Erste Arbeiten, ihre frühen "Koffer-Objekte" erinnern an sogenannte Seemannsbibliotheken... will.
Suzanne Brecht hat einmal gesagt: "Die Schule - jedenfalls das Gymnasium - hat mir die Vormittage gestohlen. Köstlich und kostbar waren die Freistunden, die man sich durch Schwänzen verschaffte. Zu einer verbotenen Zeit auf der Straße zu sein eröffnete einen Blick hinter die Kulissen, ins wirkliche Leben, von dem der Unterricht einen fernhielt". Frühzeitig hatte sie für sich festgestellt, dass Wesentliches nicht in den Schulstunden zu finden war. Ihr Weg und ihre Ziele sollten andere sein! Die hier ausgestellten Objekte darf man sicher als Teil ihrer Lebensumgebung betrachten, auch in ihrer Wohnung leben unendlich viele ganz kleine und eine Reihe unübersehbar großer realisierter Fantasien. In Anlehnung an andere liebenswerte Geschichten erlaube ich mir zu sagen: "Suzannes Welt!" Es ist so erfrischend unnormal und faszinierend, dass mich spontane Begeisterung befiel, als sich meine Augen in ihrem Zuhause mit Eindrücken gefüllt hatten. "Verrückt!" schoss es mir durch den Kopf, aber verrückt in positivstem Sinne - anders, an anderen Plätzen, umgesetzt, umgestellt - eben ver-rückt! Bei näherem Hinsehen entdecken wir die Verwendung alter Buchteile, Buchrücken, Buchdeckel, Inhalte Abbildungen, die zu unterschiedlichsten Objekten für nicht sogleich erkennbaren Zwecke verwendet wurden. Aber auch Fotos, Teile von Uhren, Werkzeuge, Metall und Glas fügen sich zu scheinbaren Geräten zusammen. Auf jeden Fall ist es faszinierend, die Details ihrer Objekte zu betrachten, mögliche technische Ansätze zu finden, um doch am Ende über köstliche Sinnentstellung zu schmunzeln. Ein Schiff, eine Arche, zusätzlich mit Rädern versehen - falls plötzlich das tragende Wasser entschwindet...... Suzanne Brecht hat alle Objekte und Collagen selbst hergestellt, wirklich gemacht und jede Menge Geheimnisse eingebaut, die wir als Gäste versuchsweise ergründen mögen. Ein Hauch vergangener Zeit umgibt uns, Klappen und Schublädchen verbergen mögliche Geschichten, Jules Verne lugt um die Ecke, aber auch Leonardo da Vinci hat vermutlich Einfluss hinterlassen - ebenso, wie Jean Tinguely, dessen berühmte, bewegte Objekte sehr erfreuen.




