Kunstverein Wesseling


Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü


Julia Sossinka

Ausstellung > 2010



"places to go" von Julia Sossinka

9. Mai bis 13. Juni 2010

in der Scheunen-Galerie, Schwingeler Hof

WeiterPlayZurück


ohne Titel, 200 x 185 cm, Ölkreide, Acryl auf Nessel




Julia Sossinka

Die Malerei und ihre Materie

Zwei Beobachtungen machen die Bilder von Julia Sossinka ungewöhnlich. Zum einen benutzt sie entgegen dem heutigen Trend oft kleine Formate, die wie Miniaturen wirken; zum anderen besitzen ihre Kompositionen einen koloristischen Reichtum von besonderer Delikatesse. Der Blick dieser Künstlerin richtet sich auf eine Welt, die außerhalb der normalen Wahrnehmung liegt. Meistens erkennt der Betrachter vegetative Formen, z.B. Pilze, blütenähnliche Strukturen u.ä., ohne dass diese Naturausschnitte realistisch zu identifizieren wären. Die Farben bewegen sich in delikaten Zwischentönen, die lineare Elemente oder auch schwebende Farbwolken bilden können. Manchmal lässt der Farbauftrag erkennen, dass der Malakt sehr impulsiv und unter Zulassung spontaner Effekte stattfand; Spuren der Kraft, welche die Malerin aufwendete, bleiben in der Erscheinung des fertigen Werkes erhalten. Dynamik und Bedachtsamkeit als Methoden der Bildherstellung scheinen gleichberechtigt an der Malerei von Julia Sossinka beteiligt zu sein. Nicht zuletzt entsteht daraus eine haptische Qualität der Bilder, die dem Betrachter suggerieren, er könne die Malmaterie mit seinen Augen berühren. Das Sehen und der (gedachte) Tastsinn ergänzen sich. Nimmt der Betrachter die gesamte von der Künstlerin entwickelte Bildwelt in den Blick, so erscheint ein Zwischenreich. Das Sichtbare spielt eine Rolle, aber es kommt etwas Phantastisches hinzu, das jedoch nicht frei erfunden ist, sondern eher als Atmosphäre wirksam wird. Wenn die Malerei als Materie zur bildnerischen Aussagekraft gebracht wird, dann letztlich mit dem Ergebnis, dass sie konkret zu werden verspricht, aber im nächsten Augenblick sich in eine imaginäre Welt entzieht. Und dann entstehen für den Betrachter Möglichkeiten, die ihm zum Unsichtbaren hinter dem Sichtbaren führen können. Keiner seiner Blicke scheint jedoch ungefährlich zu sein, denn in der Natur gibt es neben dem Schönen auch das Giftige, das verführerisch schimmert.

Düsseldorf, 11. 12. 09 Siegfried Gohr


Liebe Gäste,
es ist seit 18 Jahren gute Tradition, das Frühlingsfest mit einer Kunstausstellung zu eröffnen.
Heute stelle ich Ihnen Julia Sossinka vor. Der KV unterstützt die künstlerische Entwicklung einer Künstlerin, die beim letztjährigen Kunstpreis Wesseling den 1. Preis erhielt. Sie ist an der Kunstakademie Düsseldorf Meisterschülerin von Prof. Lüpertz und erhielt 2009 den Akademiepreis. Wir sind froh, Ihnen eine Künstlerin präsentieren zu können, die sich normalerweise nicht nach Wesseling verirrt. Sie sehen heute keinen dekorativen Firlefanz, hier zitiere ich Siegfried Gohr, sondern die Kompositionen besitzen einen koloristischen Reichtum von besonderer Delikatesse.
Die Künstlerin lädt uns ein, in eine imaginäre Bildwelt zu versinken, sie zeigt nicht figurale sondern abstrahierte Naturformen, die blütenähnliche Strukturen haben, die aber nicht naturgetreu abgebildet sind. Wir begeben uns in eine Vorstellungswelt, die keine vordergründige Deutung verträgt.
Die Ausstellung trägt den Titel "places to go", hier geht es nicht um Plätze, die in Bewegung sind, sondern um die Aufforderung an uns Betrachter, uns vom äußeren Status in das Innere des Bildes zu begeben und es als imaginäre Welt zu erleben.

Frau Sossinka zeigt eine Arbeitsbandbreite, die als Prozess zu verstehen ist. Am Farbauftrag erkennen wir spontane Elemente , und eine Dynamik und Kraft, die die Künstlerin aufbringt. Ebenso entstehen ihre Werke mit Bedachtsamkeit , ihre Arbeiten entwickeln sich, sie reagiert auf malerische Probleme und oft arbeitet sie noch nach einem halben Jahr an der endgültigen Fassung.
Frau Sossinka sagt, sie arbeite teppichartig, es geht ihr um Strukturen und Materialgegensätze. Im Gestaltungsprozess werden z.B. Ölfarben teilweise mit Lack überzogen, es entsteht eine Gesamtstruktur, eine Gesamtkomposition. Siegfried Gohr beschreibt eine haptische Qualität der Bilder, die dem Betrachter suggerieren, er könne die Malmaterie mit seinen Augen berühren. Sehen und imaginäres Tasten werden eins.
Auf der gegenüberliegenden Wand zeigt uns die Künstlerin Tuscharbeiten auf Papier. Auch hier handelt es sich um abstrahierte Formen, wie in den Ölgemälden. Die kleineren Tuscharbeiten zeigen als einzelne Studien Figuren.
Ich danke Ihnen, Frau Sossinka, für diese fantastische Ausstellung, Ihnen danke ich für
Ihre Aufmerksamkeit und nutzen Sie die Gelegenheit , mit Frau Sossinka ins Gespräch zu kommen. Ich wünsche uns einen spannenden Tag zu Gunsten unseres Krankenhauses.
Die Ausstellung und das Frühlingsfest sind eröffnet.

Dagmar Ueding
- Vorsitzende des Kunstverein Wesseling e.V. -


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü