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Ausstellung > 2007
Irina Enss und Lydia Schigimont
Zum Thema "Tanz der Farben" stellen beide Künstlerinnen ganz unterschiedliche Arbeitsweisen in der Zeit vom 14.4. - 4.5.2005 im ArtForum des Kunstvereins, Bonner Str. 43 vor.
Beide Künstlerinnen sind in Russland geboren, aufgewachsen, haben dort Kunst studiert und sind zwischen 1990 und 1993 nach Deutschland übergesiedelt, um auch hier in vielerlei Hinsicht kunstschaffend zu arbeiten. So haben sie doch viele Verbindungspunkte ihres ehemaligen Zuhause mitgebracht: ihr Denken und Fühlen, ihre Sprache und sicher viele Erinnerungen. Das ergibt wirkliche und wichtige Gemeinsamkeiten, und es ist gut so!
Sie finden auf den Rückseiten der zu den Künstlerinnen gehörenden Bilderliste die jeweilige Vita der Damen, so können Sie diese Angaben in Ruhe studieren und mein Vortrag kann sich auf die Künstlerinnen konzentrieren.
Die Arbeiten der in der Nähe von Bonn lebenden Künstlerin Irina Enss vermitteln Inspirationen aus Farbensprache, Ornamentik und russischer Frauentracht. Wurzeln ihrer Kunst sind in den Seelen der Völker zu finden, wie Architektur, Musik und Rituale.
In ihren Bildern fügen sich Farben und Formen zusammen, strukturiert oder konstruiert zu einer ein-heitlichen, bunten Komposition. Es ist nicht die direkte Wiedergabe von realen Personen durch die subjektive Wahrnehmung, sondern hier wird darüber hinaus der Versuch eines Dialogs unternom-men, der dieser Künstlerin gelingt; sie und die gemalte Welt in den Bildern sind völlig integral. Die Bilder, in ihrer leuchtenden Deutlichkeit, erlauben mögliche Interpretation, gleichzeitig aber suggerieren sie Sichtweisen von den bekannten russischen Meistern.
Dazu fallen zwei Namen ein: Kandinsky und Chagall , der erste, weil er wie ein Ingenieur Bilderwel-ten konstruierte, und der zweite wegen seines schwerelosen, poetischen Inhalts.
Eine zum Teil mitgebrachte Heimat wird mit dem emotionalen Standbild: mit der Figur, identisch und als künstlerische Idee umgestaltet. Ihre Symbolik erlaubt es, auf den Seelengrund eines Volkes zu sehen. Irina Enss macht es präzise und ihre Bilder deuten auf ein hohes handwerkliches Können von großer Genauigkeit hin. Alle Bilder von Irina Enss gefallen durch ihre große und harmonische Farbigkeit, jedes einzelne zeigt deutlich ihre unverkennbare Handschrift.
In den Arbeiten der in Köln lebenden Künstlerin Lydia Schigimont finden wir eine große Vorliebe zu Merkmalen der russischen und der Moskauer Schule, einer Malerei, die selbst unter dem Einfluss der europäischen Kunstrichtungen stand. Die allgemeine Richtung zeigt ihre große Vorliebe zu den wichtigsten Strömungen der russischen Kunst. Den stärksten Einfluss erhielt sie vom sogenannten "Silbernen Jahrhundert" Anfang des 20. Jahrhunderts, besonders von der Kunstvereinigung "Welt der Kunst". Von daher stammt im großen und ganzen ihr Konzept: zu versuchen, Schönheit, Poesie und Eleganz "in allen Dingen" zu entdecken. Sie versucht, sich vom über Jahrhunderte gesammelten Kulturerbe nicht abzutrennen, sondern ihr Werk auf diese Grundlage zu stellen und auf eigene Weise weiter zu entwickeln. So sind Steine und Ruinen für sie mysteriös und lebendig.: Manchmal verwandeln sich Steine in kristalline Blumen, sie werden fast abstrakt und finden dadurch eine neue Bedeutung.
Stilleben bezeichnet sie als "Stilles Leben". Hier sucht sie die Stille. Alle ihre Bemühungen dienen dazu, Größe und Bedeutsamkeit der intimen Aufstellung wiederzugeben. Alles muss die Aufmerk-samkeit des Zuschauers auf die bestimmte Kombination der Gegenstände konzentrieren, die gewisse Assoziationen und Gefühle erregen soll: Feierlichkeit, Frische, Liebe, Einsamkeit, Geheimnisvolles oder Melancholisches.
Ihre thematischen Bilder, sind mit verschiedenen Fabeln, Gestalten und ihrer Phantasie verbunden. Zum Beispiel Nymphen. Mädchengesichter, bekränzt mit üppigen Blumen- und Blattgirlanden, vermitteln irdische Sinnenfreude und Lust, sind aber trotz ihrer Rätselhaftigkeit unschuldig erdhaft. Sie ge-hören der Natur und der Menschheit gleichzeitig an. Diese Zweifachheit zeigt nochmals, dass wir Menschen, obwohl wir die Natur immer regulieren wollen, selbst ein Erzeugnis der Natur sind.
Das Thema "Musizierende Engel", aus dem Mittelalter stammend, hat sie schon lang gelockt, aber erst im letzten Jahr realisierte es sich in ihrem Bewusstsein. Ich zitiere die Künstlerin: "Ich wollte die Musik der Engel übertragen, ihre Bewegung und ihr Zittern: sei es Bewegung der Flügel, sei es Luftbewegung, sei es musikalischer Ton..."
Der Kunsthistoriker Dr. Jörg-H. Baumgarten aus Köln hat über ihre Bilder gesagt:
"Die Suche nach dem Göttlichen in allen Dingen spiegelt sich in diesen ruhigen Bildern, es ist nicht etwa eine Hektik des Suchens, sondern es ist die Frage im Bewusstsein einer Antwort, die Lydia Schigimont in den vielen kleinen Dingen und der in diesen verborgenen Schönheit findet. Ihre Werke sind glücklicherweise keine aufregenden oder spektakulären Bilder, sondern anregende und hoffentlich bewegende Denkzeichen über den Standort des Menschen zwischen Himmel und Erde"




